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| Badische
Zeitung - Donnerstag, den 20. November 2003 Die
Doppelbödigkeit
des menschlichen Charakters STAUFEN. Nach 50 Jahren besitzt die tragische Komödie "Der Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürrenmatt unveränderte Aktualität. Mit der Aufführung dieses Lehrstückes von der moralzersetzenden Macht des Geldes hat die vor zwei Jahren neu gegründete Theater-AG des Faust-Gymnasiums abermals eine respektable Leistung gezeigt.
"25
Mitwirkende unter einen Hut zu bringen, war schwer", räumte
Andrea Wiese,
die Leiterin der AG im Hinblick auf die etwa sechsmonatigen Proben ein.
Erschwerend hinzugekommen sei der hohe Erwartungsdruck nach dem Erfolg
des ersten
Projektes "Ein Sommernachtstraum". Doch die Unterstützung
der Schule und das
zunehmende Engagement der Akteure bahnten den Weg für einen reibungslosen
Ablauf
der Premiere. Was umso bemerkenswerter ist, als der Handlungsablauf mit
vielen Auftritten und häufiger Kulissenschieberei verbunden war,
wobei die
Darsteller aus den Klassen neun bis 13 selbst Hand anlegten.
Abgesehen von der Kürzung des Stückes auf zwei Stunden
hielt sich die Regisseurin ziemlich genau an die Vorlage des Bühnenautors
und
garnierte sie mit vielen hübschen Einfällen. Etwa wenn der
am Bahnhof des
heruntergekommenen Kleinstädtchens Güllen angebrachte Ortsname
am Ende in roter Der
Moralist Dürrenmatt
legt mit zynischem Humor die Doppelbödigkeit
des
menschlichen Charakters bloß, der im Falle von Alfred Ill (Patrick
Flechtner) eine
positive Wandlung erfährt, im Falle der Güllener hingegen mehr
und mehr von Doch da gewinnt der Krämer plötzlich moralisch die Oberhand. Er will der Bürgerversammlung einen Urteilsspruch nicht ersparen und sich ihm dann unterwerfen. Patrick Flechtner vollzieht überzeugend den Wandel vom Angstgetriebenen zum Schicksalsergebenen. Man ahnt, was kommt: Bald liegt Alfred tot am Boden. Die alte Dame verschwindet mit dem Sarg nach Capri, ein wohlhabendes Städtchen zurücklassend, das der "Gerechtigkeit" Genüge getan hat. Der Applaus am Ende der gelungenen Aufführung gilt auch Andrea Wiese, die von den ausgelassenen Darstellern in Claires Sänfte von der Bühne getragen wird. Dorothee Möller-Barbian |
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